Neuer Test verbessert Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
Publikumspresse, 18.05.2009
(Marburg/Tübingen, 18. Mai 2009) Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 6.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Verursacht wird diese Krebsart maßgeblich von Viren, den sogenannten Humanen Papillomviren (HPV). Besonders risikoreich ist eine Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18. Eine große europäische Studie hat nun gezeigt, dass ein Test auf diese Hochrisiko-HPV-Viren und weitere medizinische Innovationen die herkömmliche Vorsorgeuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs beim Frauenarzt sinnvoll ergänzen und Frauen mehr Sicherheit geben können.
Seit den 1970er-Jahren setzen Gynäkologen hierzulande vor allem den sogenannten Pap-Test für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ein. Dabei wird ein Zellabstrich von der Gebärmutterhalsschleimhaut abgenommen und unter dem Mikroskop auf das Vorhandensein verdächtiger Zellen kontrolliert.
Eine moderne Weiterentwicklung ist die Dünnschichtzytologie. Auch dafür wird ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals entnommen, dieser wird jedoch anders präpariert, um veränderte Zellen mikroskopisch besser erkennen zu können. Dieses zytologische Analyseverfahren kann zudem noch durch die Einbeziehung eines Computers erleichtert und beschleunigt werden.
Inwieweit sich die Aussagekraft des Pap-Tests hinsichtlich des Gebärmutterhalskrebsrisikos durch eine zusätzliche Testung auf eine Infektion mit krebsauslösenden Humanen Papillomviren steigern lässt und gefährdete Frauen besser erkannt werden, wurde nun in einer europaweit durchgeführten Langzeitbeobachtungsstudie geprüft, an der mehr als 24.000 Frauen teilgenommen hatten.
Die kürzlich im angesehenen British Medical Journal veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Kombination von Pap-Abstrich bzw. Dünnschichtzytologie mit dem HPV-Test die Vorhersagekraft der Früherkennungsuntersuchung erhöhen kann.
War sowohl der Pap-Abstrich als auch der HPV-Test unauffällig, bestand so gut wie kein Risiko für die Frau, innerhalb der folgenden 6 Jahre Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln. Wurden im Pap-Abstrich zwar auffällige Zellen gefunden, der HPV-Test wies aber keine HPV-Viren nach, bedeutete dies ebenfalls nur ein geringes Risiko für eine spätere Erkrankung. Deutlich höher fiel das Risiko hingegen aus, wenn der HPV-Test gefährliche Viren nachwies, selbst wenn im Pap-Abstrich noch keine auffälligen Zellen zu entdecken waren. Erwartungsgemäß am höchsten war die Erkrankungswahrscheinlichkeit, wenn beide Untersuchungsverfahren positive Ergebnisse lieferten, also sowohl verdächtige Zellen als auch HPV-Viren bei einer Frau gefunden wurden.
Grundsätzlich können mit dem herkömmlichen Pap-Abstrich also Krebsvorstufen gut entdeckt werden, die bei der Untersuchung bereits vorhanden sind. Ein negativer Pap-Abstrich erlaubt jedoch keine Vorhersage darüber, ob sich solche Krebsvorstufen innerhalb der nächsten 6 Jahre entwickeln werden. Ein negativer HPV-Test hingegen zeigt an, dass in diesem Zeitraum keine Krebsvorstufen zu erwarten sind.
Diese hohe Vorhersagesicherheit des HPV-Tests hat inzwischen auch ihren Niederschlag in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG e.V.) gefunden. Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wird dort für Frauen ab 30 die Kombination von Zelluntersuchung und HPV-Test für sinnvoll erachtet. Allerdings übernehmen die meisten gesetzlichen Krankenkassen derzeit noch nicht die Kosten für den HPV-Test. Wollen Frauen diese zusätzliche Untersuchung beim Frauenarzt vornehmen lassen, müssen sie diese als individuelle Gesundheitsleistung selbst bezahlen.
Quellen
- Dillner J et al. (2008) Long term predictive values of cytology and human papillomavirus testing in cervical cancer screening: joint European cohort study. BMJ. 2008;337
- Davey E et al. (2007) Accuracy of reading liquid based cytology slides using the ThinPrep Imager compared with conventional cytology: prospective study. BMJ 2007;335;31
